Die Immobilienfinanzierung ist ein komplexes Thema, das viele potenzielle Käufer und Kapitalanleger beschäftigt – besonders in Zeiten schwankender Zinsen. Stefan Hillbrand, Vorstand bei Interhyp, hat in einem Interview spannende Einblicke in den Zinsmarkt, die Entwicklungen der letzten Jahre und wertvolle Tipps für Immobilienkäufer und -investoren geteilt. In diesem Blogbeitrag fassen wir die wichtigsten Erkenntnisse zusammen.
Zinsentwicklung: Von historischen Tiefstständen zur Stabilisierung
Die Zinsentwicklung der letzten Jahre war geprägt von starken Schwankungen. Nach jahrelangen Niedrigzinsen, die 2021 bei rund 1 % lagen, kam 2022 die Zinswende. Durch die steigende Inflation, ausgelöst unter anderem durch den Ukraine-Krieg, stiegen die Bauzinsen rapide an. Innerhalb eines Jahres halbierte sich das Baufinanzierungsvolumen auf dem Markt – ein drastischer Einschnitt sowohl für Banken als auch für Immobilienkäufer.
Aktueller Stand:
2023 stabilisierten sich die Zinsen auf einem niedrigeren Niveau, und 2024 zeigte sich eine Erholung des Marktes. Die Bauzinsen liegen aktuell bei etwa 3,3 % für eine zehnjährige Finanzierung. Trotz Schwankungen gibt es derzeit keine Anzeichen dafür, dass die Zinsen kurzfristig wieder auf die Tiefststände von 2021 zurückkehren.
Wie beeinflussen Zinskurven die Finanzierungsstrategie?
Eine interessante Erkenntnis aus dem Gespräch: Die Zinskurve zeigt aktuell, dass zehnjährige Finanzierungen teilweise günstiger sind als fünfjährige. Gleichzeitig ist der Aufschlag für eine 20-jährige Zinsbindung im Vergleich zu einer zehnjährigen sehr gering. Dies eröffnet Investoren die Möglichkeit, langfristige Planungssicherheit zu gewinnen, ohne dafür hohe Mehrkosten in Kauf nehmen zu müssen.
Tipp vom Experten:
Wer sich für eine langfristige Zinsbindung entscheidet, kann das Zinsänderungsrisiko minimieren. Selbst wenn die Zinsen in zehn Jahren günstiger sind, besteht die Möglichkeit, durch Sonderkündigungsrechte in eine günstigere Finanzierung zu wechseln. Diese Strategie bietet nicht nur finanzielle Sicherheit, sondern sorgt auch für ein beruhigendes Gefühl – ein wichtiger Faktor, gerade bei hoch verschuldeten Immobilienportfolios.
Kapitalanleger vs. Eigennutzer: Unterschiede in der Finanzierung
Kapitalanleger und Eigennutzer verfolgen unterschiedliche Ziele, was sich auch in ihrer Finanzierung widerspiegelt:
- Kapitalanleger:
Sie bevorzugen oft eine hohe Beleihung (bis zu 100 %) und niedrige Tilgungsraten, um ihr Eigenkapital für weitere Investitionen zu schonen. Skalierbarkeit und steuerliche Optimierung spielen eine große Rolle. - Eigennutzer:
Sie streben häufig eine schnelle Entschuldung an und legen Wert auf langfristige Sicherheit. Emotionale Aspekte wie das „eigene Zuhause“ sind hier oft wichtiger als rein finanzielle Überlegungen.
Interhyp hat daher ein spezialisiertes Team aufgebaut, das gezielt auf die Bedürfnisse von Kapitalanlegern eingeht. Dies ermöglicht eine maßgeschneiderte Beratung, die auf die individuellen Strategien und Ziele der Anleger abgestimmt ist.
Der Einfluss der Inflation und politischer Ereignisse
Die Inflation ist ein zentraler Treiber der Zinsentwicklung. Aktuell liegt die Inflationsrate in Deutschland bei 2,3 % und damit leicht über dem Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB). Die EZB hat bereits mehrere Zinssenkungen vorgenommen, und die Markterwartung geht davon aus, dass der Leitzins bis Ende des Jahres auf etwa 2 % sinken könnte.
Unser aktuelles Video zur Leitzinssenkung der EZB:
Politische Unsicherheiten:
Ereignisse wie die Bundestagswahl oder die Politik von Donald Trump könnten kurzfristig Einfluss auf die Finanzmärkte haben. Beispielsweise könnten höhere Zölle oder veränderte Handelsbeziehungen zu einer steigenden Inflation führen, was wiederum die Zinsentwicklung beeinflussen könnte. Langfristige Prognosen bleiben jedoch schwierig.
Finanzierungstipps für Immobilienkäufer und Investoren
- Vergleichen lohnt sich:
Die Zinskonditionen können je nach Bank erheblich variieren. Ein Vergleich spart bares Geld – bei einer Finanzierung von 500.000 € kann der Unterschied zwischen den besten und schlechtesten Angeboten bis zu 50.000 € über zehn Jahre ausmachen. - Langfristige Zinsbindung:
Eine 20-jährige Zinsbindung bietet derzeit ein attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis. Sie minimiert das Zinsänderungsrisiko und sorgt für Planungssicherheit. - Energieeffizienz beachten:
Banken gewähren oft bessere Konditionen für Immobilien mit hoher Energieeffizienz (z. B. A+ oder A). Für Immobilien mit schlechter Energieklasse (z. B. G oder H) kann es schwieriger werden, eine Finanzierung zu erhalten. Sanierungspläne können hier helfen. - Timing ist entscheidend:
Banken passen ihre Zinsen unterschiedlich schnell an den Markt an. In einem fallenden Zinsumfeld lohnt es sich, mit einer Bank zu arbeiten, die tagesaktuell preist, um von sinkenden Zinsen zu profitieren.
Fazit: Jetzt handeln und Chancen nutzen
Die aktuelle Marktlage bietet sowohl Risiken als auch Chancen. Wer sich gut informiert und die richtigen Entscheidungen trifft, kann von den aktuellen Entwicklungen profitieren. Ob Eigennutzer oder Kapitalanleger – eine fundierte Finanzierungsstrategie ist der Schlüssel zum Erfolg.
Nutze unser Kontaktformular, wenn Du Fragen zu einer Baufinanzierung hast.
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