Warum der neue Gebäude TÜV alle Hausbesitzer betrifft

In den letzten Wochen hat der sogenannte „Gebäude TÜV“ für hitzige Diskussionen gesorgt. Medien wie Focus Online berichten über die möglichen Auswirkungen dieser neuen Norm, die das Wohnen in Deutschland weiter verteuern könnte. Doch was steckt hinter dem Gebäude TÜV, und warum betrifft er alle Hausbesitzer? Hier ein Überblick über die wichtigsten Fakten und Einschätzungen.


Was ist der Gebäude tüv?

Der Gebäude TÜV basiert auf einem Entwurf des Deutschen Instituts für Normung (DIN), der unter der Bezeichnung DIN-Norm 94681 veröffentlicht wurde. Diese Norm schlägt eine regelmäßige Sicherheitsüberprüfung von Wohngebäuden vor, um deren Zustand und Sicherheit zu gewährleisten. Ziel ist es, mögliche Gefahren frühzeitig zu erkennen und zu beheben.

Die Norm sieht 250 Kontrollpunkte vor, darunter:

  • Die Befestigung von Dachrinnen
  • Der Zustand von Schornsteinen, Treppen- und Balkongeländern
  • Die Verschließbarkeit von Dachlücken
  • Die Sicherheit von Vordächern und Markisen

Die Überprüfung soll nach einem Ampelsystem erfolgen:

  • Grün: Keine Mängel
  • Gelb: Geringe Mängel mit Nachbesserungsbedarf
  • Rot: Schwerwiegende Mängel, die sofortige Maßnahmen erfordern

Wie oft diese Prüfungen stattfinden sollen, ist noch unklar. Der Entwurf nennt hierzu keine konkreten Zeitintervalle.


Wer führt die Prüfungen durch und was kostet das?

Laut dem Entwurf sollen Handwerksbetriebe die Prüfungen durchführen. Allerdings bleibt fraglich, ob es genug Kapazitäten gibt, um die Vielzahl an Gebäuden in Deutschland regelmäßig zu prüfen.

Die Kosten könnten erheblich sein. Der Eigentümerverband Haus & Grund nennt folgende Zahlen:

  • Bis zu 1.000 Euro pro Jahr für Einfamilienhäuser
  • Über 100.000 Euro jährlich für große Wohnungsunternehmen

Diese Zahlen sind jedoch nicht belegt und stammen aus den Schätzungen von Haus & Grund. Kritisch ist, dass die Kosten für den Gebäude TÜV auf die Mieter umgelegt werden könnten, was das Wohnen weiter verteuern würde. Die Kosten für notwendige Nachbesserungen hingegen müssten die Eigentümer selbst tragen.


Mögliche Folgen des Gebäude tüvs

Auch wenn der Gebäude TÜV derzeit nur ein Entwurf ist und keine gesetzliche Verpflichtung darstellt, könnte er weitreichende Konsequenzen haben:

  1. Versicherungen: Versicherer könnten den Gebäudetüv nutzen, um im Schadensfall Zahlungen zu verweigern, wenn keine Prüfungen vorliegen.
  2. Mietrechtliche Auswirkungen: Mieter könnten bei festgestellten Mängeln Druck auf Eigentümer ausüben, Reparaturen durchzuführen, oder sogar Mietminderungen verlangen.
  3. Wertverlust: Gebäude mit dokumentierten Mängeln könnten an Wert verlieren.
  4. Pflicht und Strafen: Sollte der Gebäudetüv irgendwann verpflichtend werden, könnten Bußgelder oder sogar Nutzungsverbote für Gebäude drohen, die nicht den Anforderungen entsprechen.

Kritik und politische Reaktionen

Die Einführung des Gebäudetüvs stößt auf breite Kritik:

  • Haus & Grund bezeichnet ihn als „Bürokratiemonster“ und „Abzocke“.
  • Der Verband der Immobilien- und Wohnungsunternehmen (GdW) hält die Norm für praxisfern und warnt vor steigenden Wohnkosten.
  • Der bayerische Bauminister fordert, die Vorschläge zurückzuziehen, da sie das Wohnen unbezahlbar machen könnten.

Auf politischer Ebene gibt es widersprüchliche Signale. Während die Bundesbauministerin Klara Geywitz betont, dass es keinen „Gebäude TÜV“ geben werde, bleibt unklar, ob diese Aussage langfristig Bestand hat. Kritiker mahnen, dass politische Entscheidungen oft durch prominente Schadensfälle beeinflusst werden könnten, was eine spätere Verpflichtung wahrscheinlicher macht.


Argumente für und gegen den Gebäudetüv

Pro:

  • Sicherheitsaspekt: Regelmäßige Prüfungen könnten die Gebäudesicherheit erhöhen.
  • Versicherungsrelevanz: Die Norm könnte als Standard dienen, um Haftungsfragen zu klären.

Contra:

  • Bestehende Regeln: Die Verkehrssicherheit von Gebäuden ist bereits im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) geregelt.
  • Kosten: Die zusätzlichen finanziellen Belastungen könnten sowohl Eigentümer als auch Mieter treffen.
  • Bürokratie: Kritiker sehen den Gebäudetüv als überflüssige Bürokratie.

Wie wahrscheinlich ist eine Pflicht?

Kurzfristig scheint eine gesetzliche Verpflichtung eher unwahrscheinlich. Experten schätzen die Wahrscheinlichkeit derzeit auf 20–30 %. Mittelfristig, etwa bis 2030, könnte sich dies jedoch ändern, insbesondere wenn es zu prominenten Schadensfällen kommt oder der Gebäudetüv mit Klimazielen verknüpft wird. Ein indirekter Zwang durch Versicherungen ist ebenfalls denkbar.


Was können Eigentümer tun?

Auch ohne gesetzliche Pflicht sollten Eigentümer das Thema im Blick behalten. Wer neu baut, ist in den ersten Jahren meist von Sanierungs- und Reparaturpflichten befreit. Zudem bietet der Neubau Vorteile wie:

  • Steuervorteile: Erhöhte Abschreibungen und Sonderabschreibungen mit KfW 40 QNG Gebäuden können genutzt werden.
  • Günstige Finanzierung: Die KfW-Bank bietet oft niedrigere Bauzinsen für Käufer von energieeffizienten Gebäuden.

Wer hingegen Bestandsimmobilien besitzt, sollte frühzeitig Rücklagen für mögliche Reparaturen bilden und die Energieeffizienz des Gebäudes verbessern, um langfristig Kosten zu sparen.


Fazit

Der Gebäude TÜV ist derzeit ein umstrittenes Thema, das viele Fragen aufwirft. Während er auf den ersten Blick der Sicherheit dienen soll, könnten die damit verbundenen Kosten und bürokratischen Hürden das Wohnen in Deutschland weiter verteuern. Ob er tatsächlich verpflichtend wird, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch, dass Hausbesitzer und Mieter gleichermaßen betroffen sein könnten – sei es durch direkte Kosten oder indirekte Folgen wie Wertverluste oder Versicherungsfragen. Hausbesitzer sollten daher vorbereitet sein und die Entwicklungen aufmerksam verfolgen.

Nutzen Sie unser Kontaktformular, wenn Sie Interesse an einem KfW 40 QNG Projekt haben.

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