Willkommen auf meinem Blog, liebe Leserinnen und Leser! Heute widmen wir uns einem spannenden Thema, das euch immobilienfit machen soll: Mieterstrom. In diesem Artikel erkläre ich, was Mieterstrom ist, wie es funktioniert, welche Modelle es gibt, und warum es sowohl für Vermieter als auch für Mieter eine attraktive Option darstellt. Außerdem gehe ich auf die wirtschaftlichen Vorteile, gesetzlichen Rahmenbedingungen und Fördermöglichkeiten ein. Los geht’s!
Was ist Mieterstrom?
Mieterstrom bezeichnet Strom, der lokal in oder an einem Gebäude – meist durch eine Photovoltaikanlage (PV-Anlage) auf dem Dach – erzeugt und direkt an die Bewohner, Mieter oder Eigentümer geliefert wird, ohne das öffentliche Stromnetz zu nutzen. Der entscheidende Vorteil: Statt den erzeugten Strom zu niedrigen Einspeisevergütungen (z. B. 6,5 Cent pro kWh) ins Netz einzuspeisen, kann der Strom direkt an die Verbraucher vor Ort zu deutlich höheren Preisen (zwischen 22 und 30 Cent pro kWh) verkauft werden. Das macht Mieterstrom zu einem profitablen Geschäftsmodell.
Funktionsweise im Überblick:
- Der Strom wird vor Ort, meist durch eine PV-Anlage, erzeugt.
- Er fließt direkt ins hauseigene Stromnetz und wird den Bewohnern über einen Mieterstromvertrag bereitgestellt.
- Überschüssiger Strom kann ins öffentliche Netz eingespeist werden.
Die vier gängigen Mieterstrommodelle
Es gibt verschiedene Ansätze, Mieterstrom umzusetzen. Ich stelle euch die vier gängigsten Modelle vor:
- Direkte Vermarktung
Der Vermieter (z. B. eines Mehrfamilienhauses) verkauft den Strom direkt an die Bewohner. Reststrom wird über separate Verträge mit Energieversorgern bezogen. Dieses Modell ist einfach, beinhaltet jedoch keinen Mieterstromzuschlag. - Vermieter als Energieversorger (Vollversorgung)
Der Vermieter deckt den gesamten Strombedarf der Mieter (PV-Strom plus Netzstrom) und erhält dafür den Mieterstromzuschlag. Dieses Modell ist wirtschaftlich attraktiver, erfordert jedoch mehr Aufwand. - Lieferkettenmodell (Drittanbieter)
Ein externer Anbieter übernimmt Betrieb, Abrechnung und Vertragsmanagement. Der Vermieter erhält eine Dachpacht oder Beteiligung, während der Anbieter den Zuschlag kassiert. Dieses Modell wird häufig von Projektentwicklern genutzt, die z. B. für eine QH-Zertifizierung (KfW 40) eine PV-Anlage benötigen. - Genossenschaftsmodell
Bewohner oder Eigentümer bilden eine Genossenschaft, betreiben die PV-Anlage gemeinsam und profitieren von steuerlichen Vorteilen (bis zu 30 % der Umsätze steuerbegünstigt). Dieses Modell eignet sich auch für kleinere Eigentümergemeinschaften, die nicht das gesamte Gebäude besitzen.
Vorteile von Mieterstrom
Mieterstrom bietet zahlreiche Vorteile – für Mieter, Vermieter und die Gesellschaft insgesamt:
Für Mieter:
- Günstigerer Strompreis: Im Jahr 2025 lag der durchschnittliche Strompreis bei 39,6 Cent pro kWh. Mieterstrom kann zwischen 22 und 30 Cent pro kWh kosten – eine deutliche Ersparnis.
(Hinweis: Der Preis darf nicht über 90 % des lokalen Durchschnittspreises liegen.)
Für Vermieter:
- Zusätzliche Einnahmen: Durch den Verkauf von Strom, Dachpacht oder den Mieterstromzuschlag.
- Wertsteigerung der Immobilie: Eine PV-Anlage steigert den Wert der Immobilie.
- Zertifizierungen: Bei KfW 40 QH-Gebäuden kann die PV-Anlage zur Zertifizierung beitragen.
Gesellschaftliche Vorteile:
- Reduktion von CO₂-Emissionen: Förderung erneuerbarer Energien.
- Entlastung der Stromnetze: Weniger Abhängigkeit vom öffentlichen Netz.
- Dezentrale Energieversorgung: Förderung lokaler Energielösungen.
Förderungen und Einspeisevergütungen (Stand 2024)
Mieterstromzuschlag (EEG 2023):
Für PV-Anlagen bis 100 kW (maximal 1 MW) gibt es folgende Fördersätze (Stand 31.07.2024):
- Bis 10 kW: 2,64 Cent/kWh
- Bis 40 kW: 2,45 Cent/kWh
- Bis 1 MW: 1,65 Cent/kWh
Einspeisevergütung (EEG, Stand 2024):
Für überschüssigen Strom, der ins Netz eingespeist wird:
- Bis 10 kW: 7,86 Cent/kWh
- Bis 40 kW: 6,80 Cent/kWh
- Bis 100 kW: 5,56 Cent/kWh
- Bei Volleinspeisung: etwas höhere Sätze.
(Hinweis: Seit Februar 2024 gibt es eine schrittweise Absenkung der Vergütungssätze.)
Wirtschaftlichkeit: Ein Beispiel
Schauen wir uns ein konkretes Beispiel an (Quelle: Metagrid):
- Szenario 1: 12 Wohneinheiten, 16 kWp PV-Anlage
- Anschaffungskosten: ca. 30.000 €
- Amortisation: nach 9 Jahren
- Gewinn über 25 Jahre: 87.601 €
- Rendite: 12,7 % (im Vergleich zu 4,7 % bei reiner Einspeisung)
- Einsparung für Mieter: ca. 88,25 € pro Haushalt/Jahr (bei 29,52 Cent/kWh statt 38,82 Cent/kWh beim Grundversorger)
- Szenario 2: 35 Wohneinheiten, 50 kWp PV-Anlage + Speicher
- Amortisation: nach 6 Jahren
- Rendite: 18,4 %
- Noch höhere Einsparungen für Mieter
Vergleicht man dies mit der Einspeisevergütung von nur 6,5 Cent/kWh, wird klar, wie profitabel Mieterstrom ist. Selbst bei niedrigen Vergütungssätzen (z. B. 5 Cent/kWh) kann eine PV-Anlage cashflow-positiv sein, aber mit Mieterstrompreisen von 22–30 Cent/kWh steigt die Rendite enorm.
Gesetzliche Rahmenbedingungen
- EEG 2021/2023: Regelt Förderung und Preisobergrenzen (max. 90 % des lokalen Durchschnittspreises). Vertragslaufzeit maximal 2 Jahre, Kündigungsfrist 3 Monate.
- Solarpaket 1 (2024): Erleichtert die Umsetzung, erlaubt PV-Anlagen auf Gewerbegebäuden und Nebenanlagen.
- Steuerliche Vorteile:
- Wohnungsunternehmen: bis zu 20 % der Einnahmen steuerfrei.
- Genossenschaften: bis zu 30 % der Einnahmen steuerfrei.
Fazit: Mieterstrom lohnt sich!
Mieterstrom ist eine nachhaltige und kostensparende Lösung, die sowohl Mietern als auch Vermietern zugutekommt. Für Vermieter bietet es zusätzliche Einnahmen, eine Wertsteigerung der Immobilie und staatliche Förderungen. Mieter profitieren von günstigeren Strompreisen. Gleichzeitig trägt Mieterstrom zur Energiewende bei, indem CO₂-Emissionen reduziert und die Stromnetze entlastet werden.
Die Umsetzung ist jedoch nicht ohne Hürden. Es gibt bürokratische und technische Anforderungen, die eine sorgfältige Planung erfordern. Dennoch: Die Investition zahlt sich aus – sowohl finanziell als auch ökologisch.
Mein Tipp: Wenn ihr ein Mehrfamilienhaus besitzt, bauen oder kaufen wollt, schaut euch das Thema Mieterstrom unbedingt an. Auch als einzelner Eigentümer könnt ihr euch an einer Genossenschaft beteiligen und von den Vorteilen profitieren. Bringt das Thema bei der nächsten Eigentümerversammlung auf – es lohnt sich!
Ich hoffe, dieser Artikel hat euch gefallen und inspiriert. Habt ihr Fragen oder Erfahrungen mit Mieterstrom? Lasst es mich in den Kommentaren wissen!
Hinterlasse einen Kommentar